Wie sinnvoll sind antibakterielle Reiniger? | MDR JUMP

2022-06-01 02:25:30 By : Ms. yaki fu

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99,99 Prozent aller Keime einfach so weg, mit einem Wisch, der Boden keimfrei geputzt, die Sachen keimfrei gewaschen. Antibakterielle Reiniger versprechen uns eine reine Welt ohne Bedrohung vor ansteckenden Krankheiten. Nur wie rein sind sie wirklich und können die auch schädlich sein?

MDR JUMP Fr 26.03.2021 10:45Uhr 01:19 min

Unterwegs mal schnell die Hände mit einem antibakteriellen Hygienetuch sauber machen oder den Schnuller vom Kind, der beim Spazierengehen runtergefallen ist. Viele reinigen auch ihre Arbeitsplätze und Türklinken mit Anti-Keim-Tüchern oder Spray. Die Produkte werben oft mit 99,99 prozentiger Beseitigung aller Keime. Dafür muss der Kunde allerdings die Gebrauchsanweisung ganz genau lesen. In der Regel ist eine Einwirkzeit nötig, weil Wirkstoffe wie Triclosan oder Benzalkoniumchlorid in den antibakteriellen Seifen nicht sehr hoch konzentriert sind. Sonst dürfen die Produkte nicht in den Handel. Trotzdem verkaufen sich antibakterielle und antivirale Reiniger bestens. Kommen sie doch unserem Bedürfnis nach einer sauberen und gesunden Umwelt auch noch sehr preiswert entgegen.

Keime und Bakterien lassen sich nur begrenzt vollständig aus unserem Lebensumfeld entfernen und auch nur für eine bestimmte Zeit. Übliche Hygiene mit normalen Reinigungsmitteln bringt in etwa das gleiche Ergebnis, wie die Anwendung der antibakteriellen Reiniger. Außerdem wirken die antibakteriellen Reiniger immer nur gegen bestimmte Mikroorganismen und können nicht universell eingesetzt werden. Die falsche Sicherheit in der sich Anwender wiegen, könnte nach einer Warnung des Umweltbundesamtes dazu führen, dass herkömmliche Hygienemaßnahmen wie das Händewaschen vernachlässigt werden.

Viel Chemie heißt nicht automatisch mehr Hygiene. Grundlos verwendete Hygienereiniger, -tücher und –sprays und die darin enthaltenen Biozide tragen dazu bei, dass immer mehr Krankheitserreger Resistenzen entwickeln. Weiterhin geht von diesen Reinigern eine Gefährdung der Gesundheit gerade von kleinen Kindern aus. Bestimmte Inhaltsstoffe von antibakteriellen Reinigungstüchern wie Diethylphthalat (DEP) können die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen. Methylchloroisothiazolinon wird ebenfalls in antibakteriellen Reinigern verwendet und steht im Verdacht, Allergien auszulösen. Hinzu kommt das falsche Denkprinzip: Gerade Kinder brauchen für die Entwicklung einer starken Abwehr immer wieder Gegner in Form von Keimen und Bakterien um ihr Immunsystem zu trainieren. Ein Mensch, der in nahezu steriler Umwelt groß wird, hat ein Immunsystem, das später bei kleinsten Problemen zusammenbricht oder auf ungefährliche Stoffe, wie Blüten oder Tierhaare mit einer Überreaktion, also einer Allergie antwortet. Auch Desinfektionsmittel sind nicht nötig. Diese Mittel können die Atemwege schädigen und Allergien auslösen.

Wer ein geschwächtes Immunsystem hat oder unter einer bestimmten Krankheit leidet, für den können antibakterielle Reiniger sinnvoll sein. Die richtigen Mittel und die Anwendung sollte aber mit dem Arzt besprochen werden.

Kein Haushalt muss porentief und keimfrei sauber sein. Wichtiger sind regelmäßiges Putzen mit einfachen Mitteln wie Seife und Wasser. Auch die Wäsche braucht keine Hygienespüler. Er greift besonders empfindliche Haut an. Lieber etwas wärmer waschen, auch wenn dadurch unter Umständen die Wäsche etwas leidet. Gute Hausmittel sind Zitronensaft und Essig. Die Voraussetzung hierfür ist regelmäßiges Putzen. Damit Kalk – und andere Schmutzablagerungen nicht erst lange haften.

Wer in seinem Haushalt eine normale Hygiene walten lässt und milde oder gar natürliche Reiniger regelmäßig anwendet, braucht keine antibakteriellen Reiniger. 30 Sekunden Händewaschen mit Seife entfernt bis zu 99 Prozent aller Keime. Nach wie vor gibt es keine Studien, die belegen, dass die Verwendung von Hygienereinigern im Vergleich zum normalen Putzen uns irgendeinen Gesundheitsvorteil bringt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 26. März 2021 | 10:45 Uhr

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